Mnemotechnik - das Gedächtnis trainieren

Die Mnemotechnik ist ein anderes Wort für das Gedächtnistraining. Das Wort Mnemotechnik kann aus den griechischen Wörtern μνήμη ("mnémē" = Gedächtnis, Erinnerung) und τέχνη ("téchnē" = Kunst) hergeleitet werden. Im Grunde entwickelt die Mnemotechnik Methoden, um sich bestimmte Sachen einfacher merken zu können. Mit Hilfe der Mnemotechnik können Sie sich sowohl Dinge wie die Planetennamen, der Quintenzirkel oder Namen einfacher merken, aber auch an komplexere bzw. viel umfangreichere Sachen, wie ganze Bücher, lange Listen (z.B. Telefonbuch) oder die Zahl Pi auf mehrere hunder, sogar tausend-Stellen, können Sie sich erinnern.

Die Techniken können auf nahezu alles angewandt werden und sind im Alltag sehr nützlich. Natürlich muss auch das Gedächtnis mit Hilfe von Übungen trainiert und fit gehalten werden. Mit Hilfe von Mnemotechniken können Sie z.B. Ihr Namensgedächtnis trainieren. Boris Konrad ist im Moment Weltmeister im Namen merken und stellt Ihnen seine Erfahrungen und Methoden in Büchern, CD, als Hörbuch oder in Vorträgen als Keynote Speaker zur Verfügung.

Ein Kartenspiel in 50 Sekunden merken

In einem kurzen Video demonstriert Boris Konrad wie er sich in 50 Sekunden ein komplettes Kartenspiel, also 52 Karten, in der richtigen Reihenfolge merken kann. Im 2ten Teil des Videos betont er, dass eine gutes Gedächtnis erlernbar ist - ohne ein Genie zu sein oder ein photographisches Geädchtnis zu haben. Sich die richtige Reihenfolge von Spielkarten merken zu können, scheint nicht die sinnvollste Fähigkeit zu sein. Allerdings lässt sich die Kartenlern-Methode auch auf andere Bereiche wie Schulstoff, Namen merken oder komplexe Abläufe einprägen anwenden.

Teil 1

Teil 2

Entwicklung der Mnemotechnik

Wie alles begann...

Erste Aufzeichnungen über die Anwendung einer Mnemotechnik sind von den alten Griechen überliefert. Demnach haben sich bereits die griechischen Philosophen (insbesondere Plato und Aristoteles) mit dem Merkmethoden auseinander gesetzt und darüber geschrieben. Die „Erfindung“ der Mnemotechnik wurde später dem griechischen Dichter Simonides von Keos (~500 v. Chr.) zugeschrieben – wohl v.a. aufgrund seiner ohnehin schon herausragenden Merkfähigkeit. Später haben sich die Römer dieser Hilfsmittel gebraucht gemacht und öffentliche Reden zu halten. Zu dieser Zeit hat man in der Regel eine Technik verwendet, in der man einen gedanklichen Ort, Zeichen oder ein Bild verwendete. Meist hat man sich ein großes Haus vorgestellt dessen Räume, Wände, Fenster, Möbel, etc. für bestimmte Namen, Phrasen oder Ideen standen, die man damit gut assoziieren kann. Um später etwas aus dem Gedächtnis abzurufen, musste man also nur im Geiste das Haus aufsuchen und das entsprechende Zimmer abrufen.

Weiterentwicklung der Grundlagen

Nach den alten Römern hat man sich erst wieder während des 13ten Jahrhunderts ausführlicher mit der Mnemotechnik und dem Gedächtnistraining beschäftigt.  Zwischen dem 13ten und 17ten Jahrhundert sind viele Werke von Gelehrten wie Roger Bacon, Roman Llull oder Petrus de Ravenna entstanden. In dieser Zeit wurden auch weitere Techniken entwickelt. Nennenswert ist unter anderem eine Methode des deutschen Dichters Konrad Celtis (~15te Jh.), der anstelle eines erdachten Platzes die Buchstaben des Alphabetes verwendet. Im 17ten und 18ten Jahrhundert haben sich Stanislaus Mink von Wennsshein, Gottfried Wilhelm Leipzig und Richard Grey Methoden ausgedacht, um mit Hilfe von Konsonanten z.B. Zahlen abzubilden, die Vokale wurden bei Bedarf hinzugefügt. Diese Methoden bilden heute die Grundlage für das Major-System.

Wissenschaftliche Studien zu Mnemotechnik

Heutzutage werden diese Techniken immer feiner und, dank einer sehr hohen Grundbildung, beschäftigen sich immer mehr Menschen mit Gedächtnistraining und Lernmethoden. Mittlerweile ist die Effektivität und Lernsteigerung in mehreren Studieun wissenschaftlich nachgewiesen worden.

Wirksamkeit von Mnemotechnik

Viele Studien beschäftigen sich damit, ob mit Hilfe von Mnemotechniken tatsächlich die Gedächtnisleistung gesteigert werden kann. Tatsächlich haben unabhängige Studien gezeigt, dass sich Personen, die Lernmethoden angewandt haben, neue Vokabeln deutlicher besser merken konnten als die Kontrollgruppe. Dabei haben Alter und Geschlecht keine Rolle gespielt.

Die Effektivität des Gedächtnistrainings variiert dennoch erkennbar unter verschiedenen Personengruppen, insbesondere ist sie abhängig vom Alter und der Übung. Um das Gedächtnis bzw. die Merkfähigkeit langfristig und erfolgreich zu trainieren, bedarf es viel Zeit und Übung. Je früher man damit beginnt, umso mehr profitiert man davon im Alter. Idealerweise sollten bereits in der Schule einfache Lernmethoden vermittelt und regelmäßig trainiert werden. Über die Zeit können diese dann selbstständig immer weiter ausgebaut werden.

Mnemotechnik auch für die ältere Generation

Insbesondere für ältere Menschen, deren Gedächtnis immer schwieriger „fit und aktiv“ bleibt, profitieren vom Gedächtnistraining – selbst wenn die Techniken erst im Alter gelernt werden. Die Merkfähigkeit bei älteren Menschen steigt deutlich, wenn sie die Mnemotechniken über einen längeren Zeitraum anwandten. Daran merkt man einmal mehr, dass das Gehirn genauso wie die Muskeln, trainiert werden möchte.

Warum wird das Gedächtnis mit dem Alter immer schwächer?

Die Alterung des Menschen beeinflusst den medialen Teil des Temporallappens und damit auch den Hippocampus, der sich in diesem Lappen befindet.

Exkurs: Der Hippocampus ist quasi das Schaltzentrum für Erinnerungen, da es die im Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis gespeicherten Informationen verarbeitet. Ist die Funktion des Hippocampus eingeschränkt, kann der Mensch keine Erinnerungen mehr formen.

Im Alter wird also naturbedingt die Gedächtnisleistung schwächer. Aber dafür gibt es natürlich eine Lösung:

Vergesslichkeit im Alter vermeiden

Stellt sich natürlich die Frage, ob und wenn ja wie, kann man den Gedächtnisschwund im Alter vermeiden? Dazu nochmal ein kleiner Exkurs:

Exkurs: Durch die Anwendung von Mnemotechniken werden abstrakte, rohe Informationen in bildliche Konstrukte umgewandelt, die sich deutlich einfacher merken lassen, wodurch der Hippocampus viel einfacher arbeiten kann.

Wie oben bereits erklärt, wird die Funktion des Hippocampus mit dem Alter immer mehr erschwert, wodurch sich schwer zu merkende Informationen, noch schwieriger bis gar nicht mehr merken lassen. Füttert man das Gehirn also mit einfacher zu merkende Informationen, reicht die eingeschränkte Funktionsweise des Hippocampus trotzdem noch aus, um sich diese Informationen merken zu können.

Bilder merkt man sich am Besten

Da die Mnemotechnik nichts anderes macht, als die rohen Informationen in schöne Bilder umzuwandeln, ist genau das der richtige Weg, um der Vergesslichkeit entgegenzuwirken und sich – sowohl im Alter als auch in der Jugend – deutlich mehr und umfassendere Informationen merken zu können, als ohne Gedächtnistraining.

Weltrekord Zahlen merken "Flash Numbers"

Im Oktober 2014 stellt Boris Nikolai Konrad einen neuen Weltrekord bei einer Live-TV-Show in China auf. In der Guiness Show der Rekorde auf dem chinesischen TV-Sender CCTV 1 zeigt Boris Konrad was mit konsequenten und disziplinierten Gedächtnistraining möglich ist. Dabei betont er, dass ein gutes Gedächtnis erlernbar ist und seine Gedächtnisleistung nur auf Techniken beruht, die im Prinzip jeder lernen kann. Boris Konrad prägt sich 15 dreistellige Zahlen (also 45 Zahlen insgesamt) innerhalb von 20 Sekunden ein und gibt diese in der korrekten Reihenfolge wieder:

Beispiel für die Mnemotechnik

Damit Sie ein Beispiel haben und sich die Mnemotechnik auch in Ihrer Anwendung vorstellen können, geben wir Ihnen ein Beispiel. Sie kennen bestimmt alle 8 Planeten unseres Sonnensystems. Aber kennen Sie sie auch in der richtigen Reihenfolge von der Sonne aus? Dazu gibt es ein einfaches Sprichwort:

Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel.

Der Anfangsbuchstabe jeden Wortes steht für den Anfangsbuchsten der Planten. Die richtige Reihenfolge lautet also:

Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel

Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun.

Mit diesem einfachen, einrpägsamen Satz werden Sie nie wieder die richtige Reihenfolge vergessen. Also Pluto noch als Planet klassiert war, hießt der Spruch: "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren neun Planeten." Genauso einprägsam und effektiv. 

Eine ganze Liste dieser Merksprüche findet man bei Wikipedia: Liste von Merksprüchen

Quelle Bilder:

Planeten: By WP (Planets2008.jpg) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons